Tolles Finale des diesjährigen Film- und Tanzprojekt: Jugendliche lebten den Traum vom Anderssein

016Neudietendorf, 31. Juli 2015. Anna, die Hauptfigur des Films, heißt in Wirklichkeit Stefanie. Sie steht vor der Krügervilla. In wenigen Minuten ist es soweit, dann hat der Streifen „Die Entscheidung“ Welt-Uraufführung. Die letzte Klappe zu dem Film ist schon vor einigen Tagen gefallen, der Film ist fertig geschnitten, jetzt heißt es noch ein paar Minuten Warten. Nervös? Stefanie macht nicht den Eindruck. „Das Drehen des Films hat Spaß gemacht“, sagt sie. Der Film ist gemeinsam mit einstudierten Tanzszenen das Ergebnis eines zweiwöchigen Ferienprojets in Neudietendorf. „Vorhang auf – zeig wer Du bist“ – unter diesem Motto ging es vierzehn Tage lang in dem Ferienangebot des PARITÄTISCHEN Bildungswerks um das Thema Anderssein.

Stefanie spielt in dem Film das Mädchen Anna, das in ein Feriencamp kommt – und gleich von Anfang an von einer eingeschworenen Clique ausgegrenzt wird. Sie muss am Tisch Platz machen, sie wird gemobbt, niemand will mit ihr reden, sie zieht sich in den Park zurück, zieht sich die Kopfhörer über und hört Musik. Als sie erste Kontakte zu einem anderen Mädchen findet, gerät diese in Streit mit der Anführerin der Clique – es kommt zur tätlichen Auseinandersetzung. Anna muss sich entscheiden: Wegsehen, Hilfe holen oder selbst einschreiten. Der Film lässt das Ende offen. „Wie würdest Du Dich entscheiden“, steht am Ende des Streifens.

002Stefanie ist die Hauptdarstellerin des Films "Die Entscheidung"Stefanie (Bild), die jeden Tag aus dem 30 Kilometer entfernten Bad Berka angereist ist, hat sich in die Rolle hineingespielt, sie hat sich auf die Gefühle eingelassen, die jemand empfindet, der ausgegrenzt wird. „Ich habe mich bei manchen Szenen schon schlecht gefühlt“, sagt sie. Aber trotz des nicht ganz einfachen Themas hat das Arbeiten in der Gruppe Spaß gemacht. Zwei Tage lang haben die Mädchen und Jungen die Geschichte geschrieben, dann kam die Umsetzung und schließlich der Filmschnitt. „Es war toll“, bilanziert Stefanie die zwei Wochen in Neudietendorf.

„Toll“ – das Wort kommt auch von Christof Düro, dem Schauspieler, der schon in vielen Rollen im Fernsehen zu sehen war und dieses Projekt begleitet hat. „Die Anarchie von Kindern macht Spaß“, lautet seine Bilanz. Er findet es spannend, wie die Mädchen und Jungen sich öffnen, ihre Individualität entfalten, offen über Probleme wie Mobbing oder Ausgrenzung, aber auch Sexualität und Selbstfindung reden, wieviel Kreativität sie beim Filmemachen und auch beim Tanzen an den Tag legen. „Mir ist nicht das fertige Produkt wichtig, auf den Prozess kommt es an“, sagt er. Aber auch das Endprodukt kann sich sehen lassen, es sind eindrucksvolle achteinhalb Minuten, die unter die Haut gehen und die zu Recht von Eltern, Verwandten und Mitarbeitern des PARITÄTISCHEN am Ende mit großem Beifall belohnt werden. Düro findet es entscheidend, dass in den zwei Wochen über Dinge gesprochen wurde, die im Leben zwar eine Rolle spielen, über die man sich aber nicht oder nur wenig austauscht. Das sind Themen wie Ausgrenzung, Individualität, Mobbing. Christin Bliedung vom PARITÄTISCHEN Bildungswerk überlegt jetzt, ob man den Film nicht auch als Wettbewerbsbeitrag bei einem Filmwettbewerb junger Künstler einreichen kann.
„Kommt rein und seid anders“, ruft Düro den Gästen der Abschlussveranstaltung zu, als sich die Türen der Krügervilla öffnen. Anderssein ist auch an diesem Tag Programm, auch bei den Tanzprojekten, die im Schatten der Bäume des Krügerparks vorgestellt werden. Auch da geht es um Ausgrenzung, ums Anderssein, jede Geschichte wird in einen Tanz verpackt. Die Tanzbilder abstrahieren die Thematik, die vorher intensiv in der Gruppe besprochen wurde.
Es ist der Traum vom Anderssein dürfen, den die Jugendlichen in den vergangenen zwei Wochen geträumt haben. Aber es soll nicht nur ein Traum bleiben. Anderssein soll und muss von der Gesellschaft akzeptiert werden. Deshalb steht am Ende dieses Workshops die Botschaft, vorgetragen von einer Teilnehmerin: „Ich will jetzt die Ärmel hochkrempeln, um für die Verwirklichung meiner Träume selbst etwas zu tun.“
Die Workshops werden gefördert vom Bundesprogramm „Kultur macht stark – Bündnisse für Bildung“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Das lokale Bündnis für das Bildungsprojekt – koordiniert durch das PBW – setzt sich aus fünf Partnern zusammen: die Staatliche Regelschule Oststadt Gotha, der PARITÄTISCHE Wohlfahrtsverband, der Verein Prof. H.A. Krüger e.V., „L’amitié – Multikulturelles Zentrum Stadt und Landkreis Gotha“ und Regelschule „Prof. Herman Anders Krüger“ in Neudietendorf.

Artikel von H. Kaczmarek, Profiler Der PARITÄTISCHE Thüringen

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