Neudietendorf als Filmkulisse - Sommerworkshop "Kultur macht stark"

DSCN1031 1 webNeudietendorf, 24. Juli 2015. Christof Düro ist, was das Film- und Fernsehgeschäft anbelangt, ein alter Hase. In vielen Streifen hat er schon mitgewirkt. Und er weiß auch: „Viele Szenen werden gedreht und fallen dann beim Schneiden doch raus.“ Aber dass eine ganze Figur aus einem Film herausgeschnitten wird, ist ihm nur einmal in seiner langen Karriere passiert. Viele Drehtage waren umsonst, als der Regisseur am Set entschied, dass die von Düro gespielte Figur aus dem Film „Gentlemen“ einfach gestrichen wurde. Ein lautes „Oh“ schallt ihm an diesem Vormittag entgegen, als er die Geschichte erzählt. In der Krüger-Villa in Neudietendorf wird gerade heiß diskutiert – über einen neuen Film, der in den nächsten Tagen hier entstehen soll. Der Streifen soll die Geschichte von Ausgrenzung erzählen, er soll Respekt und Toleranz gegenüber anderen Personen, Kulturkreisen und Nationen thematisieren. 16 junge Menschen aus Erfurt, Gotha, Neudietendorf und der näheren Umgebung sind zu dem zweiwöchigen Ferienprojekt in der Krügervilla zusammengekommen.

Während die eine Gruppe gerade die Filmgeschichte konzipiert, klingt aus dem anderen Raum hippe Musik. Dort wird gerade das Thema „Vorhang auf – zeig wer Du bist“ tänzerisch umgesetzt. Amira Shemeis von der Bewegungsküche Jena zeigt den Mädchen und Jungen, wie man Gefühle in tänzerische Bewegungen umsetzt. Sie ist eine von drei Tanzlehrerinnen und Tanzlehrern, die sich in den zwei Wochen abwechseln. Die andern sind Dennis Serikow und Caroline Frisch vom Verein WE-DANCE aus Weimar. Tanz und Film zum Thema sollen dann zum Abschluss in einem Projekt zusammenfließen. Wie das genau aussehen kann, darüber machen sich die jungen Leute noch Gedanken, so Christin Bliedung, die das Projekt „Kultur macht stark“ vom PARITÄTISCHEN Bildungswerk her begleitet.
Nebenan gehen die Wogen der Diskussion hoch. Wie soll die Geschichte aussehen? Wie die Hauptfigur heißen? Welche Requisiten braucht man? Und an welchen Orten wird gedreht? Daniel Che Hermann vom Medienprojekt Wuppertal strukturiert die Debattenbeiträge. Der erfahrene Filmemacher zeigt den 12 bis 18-Jährigen auf, was umsetzbar ist und was nicht, worauf sie achten müssen und was man besser weglässt. „Der Mensch neigt schon seit jeher dazu Geschichten zu erzählen“, gibt er den jungen Leuten mit auf den Weg. „Aber man braucht auch eine klare Erzählung, klare Handlungsstränge, sonst steigt der Zuschauer aus.“

In dem Film soll die Geschichte von Anna erzählt werden. Anna muss ins Feriencamp, obwohl sie keine Lust dazu hat. Das Camp findet in einer abgelegenen Gegend statt, im „letzten Kaff“, wie es in dem Entwurf der Story heißt, den die Mädchen und Jungen erarbeitet haben. Anna wird von den anderen ignoriert, sie erweckt nach außen den Anschein, als ob es ihr egal ist. Dann lernt sie aber doch jemanden kennen, der aber kurz darauf in einen Streit verwickelt wird und dabei eine Treppe herunterfällt. Bis hierhin ist die Geschichte klar. An dem Ende feilen die jungen Leute in den nächsten Tagen noch: Was soll Anna tun? Soll sie Hilfe holen, selbst einschreiten oder einfach wegschauen?

Auf vieles muss beim Filme machen geachtet werden, schärft Hermann den jungen Menschen ein. Die Requisiten müssen sorgfältig ausgewählt werden, in einer Filmsequenz darf man keine unterschiedliche Kleidung tragen, ein Wasserglas muss auch nach einem Schnitt noch in der gleichen Hand sein. An Profi-Filmsets wird dafür extra jemand beschäftigt, um diese „continuity“, wie es in der Fachsprache heißt, sicherzustellen. In Neudietendorf müssen das die Mädchen und Jungen selbst leisten, wie so vieles andere auch. Die Profis bieten ihnen dabei ihre Hilfe an. Und auch Christof Düro, der schon in TV-Serien wie „Heiter bis tödlich“ oder „Der Kriminalist“ mitgespielt hat, macht es sichtlich Spaß, den jungen Menschen bei ihren ersten Schritten im Filmgeschäft zu helfen. Er ist nicht zum ersten Mal bei dem Projekt „Kultur macht stark“ mit von der Partie. Er sieht sich selbst als jemanden, der wie im Sportunterricht Hilfestellung gibt.
Der fertige Film und die Ergebnisse der Tanzwerkstatt werden öffentlich vorgestellt – und zwar am Freitag, 31. Juli, um 14 Uhr in der Krügervilla in Neudietendorf, Bergstraße.
Die Workshops werden gefördert vom Bundesprogramm „Kultur macht stark – Bündnisse für Bildung“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Das lokale Bündnis für das Bildungsprojekt - koordiniert durch das PBW - setzt sich aus 5 Partnern zusammen: die Staatliche Regelschule „Oststadt Gotha", der PARITÄTISCHE Wohlfahrtsverband Landesverband Thüringen e.V., der Verein Prof. H. A. Krüger e.V., L´amitie Multikulturelles Zentrum Stadt und Landkreis Gotha e.V. und seit Oktober 2014 die Regelschule "Prof. Herman Anders Krüger" in Neudietendorf.

Artikel von H. Kaczmarek, Profiler Der PARITÄTISCHE Thüringen

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