"Alle sollen sagen können: Ich habe verstanden": Erwachsenenbildung ohne Barrieren

Moser Portrait NeuDer Brief vom Finanzamt ist ein einziges Sammelsurium von nicht verständlichen Paragrafen, der Arzt-Patienten-Brief wimmelt nur so von medizinischen Fachausdrücken und auch im Mietvertrag für die neue Wohnung ist nicht alles so geschrieben, dass man es versteht. Marion Moser (Foto) kennt diese Fälle zur Genüge. Sie ist eine im deutschsprachigen Raum anerkannte Kapazität, wenn es um das Thema leichte Sprache geht. „Überall werden Menschen damit konfrontiert“, sagt die Expertin von „capito Graz“. Das Unternehmen hat es sich zur Aufgabe gemacht, über barrierefreie Informationen zu sprechen und entsprechende Weiterbildungen anzubieten. Das Leitmotto von „capito“: „Wir wollen, dass in Zukunft alle Menschen sagen können, ich habe verstanden.“ Moser: „Aber noch ist das nicht so. Wichtige Informationen sind oft schwer verständlich. Viele Menschen können schwierige Texte nicht verstehen. Sie können deswegen in unserer Gesellschaft nicht gleichberechtigt leben.“

Moser ist eine der ReferentInnen bei dem Zertifikatskurs „Ein neuer Weg entsteht im Gehen – Erwachsenenbildung ohne Barrieren“, den das PARITÄTISCHE Bildungswerk in Kooperation mit der PARITÄTISCHEN Akademie, bith e.V. und dem Diakonische Bildungswerk Johannes Falk im September anbietet. Moser wird dabei im zweiten Modul über die barrierefreie Gestaltung und Bewerbung von Veranstaltungen referieren. Sie gibt auch Tipps, wie Texte leicht lesbar gestaltet werden können.

Bitte beachten Sie die geänderte Teilnahmegebühr (95 € für Teilnehmende aus Thüringen/120 € für Teilnehmende aus anderen Bundesländern).

Der Bedarf an leicht lesbaren und verständlichen Texten ist groß. Moser schätzt, dass etwa 40 Prozent der Bevölkerung Probleme haben, Texte zu verstehen. Dabei kommt es ihr darauf an, zielgruppenorientiert zu arbeiten. Leichte Sprache heißt für Moser aber nicht banale Sprache. Auf diesen Unterschied legt sie Wert. Es gehe nur darum, komplizierte Inhalte für jeden verständlich darzustellen und möglicherweise auch grafisch aufzubereiten. „Am Beginn jedes Seminars muss man sich darüber im Klaren sein, welche Zielgruppe man erreichen will“, sagt sie. Nach ihrer Einschätzung hat sich in den Behörden in Sachen verständlicher Sprache schon einiges bewegt, jetzt sei das Thema auch in der Privatwirtschaft angekommen.
Leichte Sprache kann jeder, ist Moser überzeugt. „Wir können alle lernen“, sagt sie. Und das will sie auch bei dem Seminar in Neudietendorf vermitteln. Dabei geht es zum einen um das Veranstaltungsdesign, die Methodik und Didaktik bei barrierefreier Veranstaltungen. Dabei spielen Kriterien wie Anreise und Ankunft, allgemeine Zugänglichkeit der Räumlichkeiten oder auch technische Hilfsmittel und die Ausstattung der Veranstaltungsräume wie auch die Form der Präsentation eine Rolle. In einem zweiten Teil geht es um barrierefreie Öffentlichkeitsarbeit. Das zweite Modul findet am 29. und 30. September in Neudietendorf statt. In einem ersten Modul am 1. und 2. September geht es um „Erwachsenenbildung mit allen Sinnen.“ Dabei erleben die Teilnehmenden hautnah die Auswirkungen verschiedener Einschränkungen und bekommen ausgehend von diesen Erfahrungen Hilfsmittel und kompensierende Methoden vermittelt.

Weitere Informationen zu dem Zertifikatskurs gibt es unter www.parisat.de
Oder per Mail bei Christin Bliedung bzw. Juliane Lotz unter den Mailadressen

und

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