Bildungsreise nach Österreich zum Thema "Inklusive Bildung"

Die PBW-Geschäftsstelle unternahm vom 27.08. bis 30.08.2014 eine Bildungsreise zum Thema „Inklusive Bildung" nach Österreich, um sich mit Partnern vor Ort über best-practice-Lösungen auszutauschen.

IMG 2468Der erste Termin führte nach Wien zum biv - die akademie für integrative Bildung. Beate Dietmann stellte die Einrichtung und deren Arbeitsweise vor. Die akademie für integrative Bildung ist eine öffentlich anerkannte Einrichtung der Erwachsenenbildung und ist seit 1997 tätig. Ziel der Arbeit ist, die Integration von Menschen mit Behinderungen zu fördern. Sie bietet Bildungsveranstaltungen für Menschen mit Behinderung, für Fachkräfte sowie inklusive Formate und eine individuelle Bildungsberatung an (vgl. http://www.biv-integrativ.at). Das inklusive Format „Kreative Bildungstage" erhält viel Zuspruch von Menschen mit Behinderung und verdeutlicht den Wunsch nach Teilhabe und Integration. Menschen ohne Behinderung greifen bisher - nach Aussage von Frau Dietmann - noch relativ wenig auf solche Bildungsformate zurück. Die Resonanz von denjenigen, die daran teilnahmen, war jedoch durchweg sehr positiv.
Intensiv beschäftigt sich die Akademie weiterhin mit der Fragestellung „Wie barrierefrei ist Ihre Bildungseinrichtung?". Hierzu wurden Checklisten und Handreichungen wie „Erwachsenenbildung barrierefrei - Leitfaden für ein gemeinsames Lernen ohne Hindernisse" und „Bildungsveranstaltungen barrierefrei - Leitfaden für methodisches Arbeiten in der Erwachsenenbildung" entwickelt. Diese Unterlagen geben gute Anregungen für die Überprüfung und Umsetzung der eigenen Bildungspraxis. Der Weg zur Öffnung der Angebote für Menschen mit Lernschwierigkeiten wird in kleinen Schritten empfohlen - z.B. ein Seminarangebot zu einem kreativen Thema mit Schwerpunkt auf Visualisierungen und leichte Sprache.

Am zweiten Tag lud das Bildungsnetzwerk Steiermark (vertreten durch Grete Dorner und Claudia Zülsdorff) zu einer Vorstellung des aktuellen Projektes „Barrierefreie Erwachsenenbildung" nach Graz ein. Die Kooperationspartner des Bildungsnetzwerkes wie das Lesezentrum Steiermark (vertreten durch Verena Gangl und Wolfgang Moser) und die Einrichtung atempo/capito (vertreten durch Marion Moser) berichteten von ihren Erfahrungen.

Das Bildungsnetzwerk Steiermark ist die Koordinationsstelle der steirischen Erwachsenenbildung. Als Fachstelle für Weiterbildung bietet das Bildungsnetzwerk Beratung für die Bevölkerung, für Bildungseinrichtungen und für öffentliche Stellen an. Als Projektträger konzentriert sich das Bildungsnetzwerk auf Aufgaben im Sinne des lebensbegleitenden Lernens, setzt auf institutionsübergreifende Initiativen und stärkt damit die Erwachsenenbildung in der Steiermark. Das aktuelle Kooperationsprojekt „BIMG 2477arrierefreie Erwachsenenbildung" zur Erhöhung der Zugänglichkeit für Menschen mit Beeinträchtigung mit Laufzeit vom 01.01.2013 bis 31.12.2014 verfolgt die Gestaltung barrierefreierer Rahmenbedingungen in den steirischen Bibliotheken und in den Erwachsenenbildungseinrichtungen sowie die Förderung der Teilnahme von Menschen mit Beeinträchtigung an Weiterbildung (vgl. www.bildungsnetzwerk-stmk.at). Claudia Zülsdorff und Verena Gangl stellten die ersten Meilensteine des Projektes vor. Im Zeitraum Juni bis September 2013 erfolgte eine Befragung von 72 Erwachsenenbildungs-einrichtungen und 220 öffentlichen Bibliotheken, um den IST-Stand der Einrichtungen in der Steiermark erfassen zu können. Der Fragebogen diente nicht nur zur Erhebung von Daten, sondern führte auch zu einer ersten Sensibilisierung zum Thema Barrierefreiheit. Die Ergebnisse wurden in einer Handreichung übersichtlich zusammengefasst und auf der Internetseite veröffentlicht.Die Befragung verdeutlichte, dass es einen Bedarf an Information, Austausch und Weiterbildung im Bereich Barrierefreiheit gibt. Daher wurde im zweiten Schritt ein Lehrgang „Barrierefreie Erwachsenenbildung" speziell für Mitarbeitende in Bibliotheken und der Erwachsenenbildung konzipiert. Im Februar 2014 startete mit 17 Teilnehmenden ein erster Kurs. Neben der Initiierung von Entwicklungsprozessen steht die Durchführung eines Fachtages sowie die Projektdokumentation bis Ende des Jahres noch an. Als Empfehlungen wurden der transparente Umgang mit Barrierefreiheit sowie die Verankerung des Anspruches in der eigenen Einrichtung, z.B. im Qualitätsmanagementsystem, dem PBW mit auf den Weg gegeben.

„Bei atempo geht es um Gleichstellung: Jeder in seinem Tempo. Im Zentrum der Arbeit stehen Menschen mit Lernschwierigkeiten und Behinderungen. Unsere Vision ist, dass alle Menschen gleichberechtigt miteinander leben, lernen und arbeiten können." (vgl. www.atempo.at). Marion Moser schilderte die Arbeit von atempo und verdeutlichte, was Barrierefreiheit bedeutet. Nicht nur Rollstuhlfahrer müssen berücksichtigt werden, sondern es existieren sehr viele verschiedene Barrieren. Nicht nur eine Internetseite kann eine Barriere darstellen, sogar ein Buffet ohne laktose- oder fruktosefreie Speisen ist zum Beispiel eine Barriere für Menschen mit solchen Intoleranzen. Das Ziel von atempo ist der Abbau von Barrieren u.a. durch Beratungsleistungen. Unter dem Namen capito wurden verschiedene Angebote (das Texten und Gestalten von leicht verständlichen Informationen) für Barrierefreiheit entwickelt. Ein wichtiger Schritt zur Öffnung ist die transparente Darstellung der Zugänge (z.B. über spezielle Icons), der Abbau von ersten Hürden und die Einbindung von Betroffenen. Atempo ist Ansprechpartner für den Einsatz von Icons (eigens entwickelte Icons, diese können über eine Lizenz erworben werden) sowie bei der Konzipierung von e-learning-Einheiten.

Als letzte Station IMG 2548auf der Bildungsreise besuchte das PBW das Bildungshaus Schloss Retzhof in Leitring/Wagna. Seit 1948 ist Schloss Retzhof ein Bildungshaus des Landes Steiermark. Auf Grund seiner jahrzehntelangen Bedeutung für die österreichische Erwachsenenausbildung und seiner guten und vielfältigen internationalen Kontakte ist das Schloss Retzhof im Inland und über die Landesgrenzen hinaus ein Begriff in der Weiterbildung. Sein Standort macht Schloss Retzhof vor allem auch für grenzüberschreitende Kooperationen interessant. Der Retzhof steht für Qualität und Innovation in der Bildungsarbeit. Seine Ausrichtung ist international, überkonfessionell und interkulturell. Darüber hinaus wird am Retzhof die Idee und der Anspruch einer barrierefreien, inklusiven Weiterbildung umgesetzt und gelebt (vgl. www.verwaltung.steiermark.at). Maria Baader stellte das Bildungshaus mit seinen acht Seminarräumen, Übernachtungsmöglichkeiten, großem Innenhof und Outdoorbereich im Rahmen einer Führung vor. Bei der Gestaltung der Anlage wurde auf einen barrierefreien Zugang sehr großen Wert gelegt - somit sind alle Räume barrierefrei und mit speziellen Markierungen/ Ausstattungen versehen, wie z.B. Blindenschrift an den Zimmertüren und Akustikschleifen in den Seminarräumen. Ein besonderes Highlight stellt der barrierefreie Hochseilgarten für Rollstuhlfahrer da. Das Bildungshaus versucht neben barrierefreien Zugängen auch inklusive Angebote zu ermöglichen. Sabrina Gößler schilderte die guten Erfahrungen mit inklusiven Angeboten zu kreativen Themen. Jedes Seminar des Bildungshauses ist mit einem speziellen Icon versehen, um transparent darzustellen, für welche Zielgruppen die Veranstaltung geeignet ist. Auch hier wurde die PBW-Geschäftsstelle ermutigt, sich dem Thema zu nähern und mit kleinen Schritten zu beginnen.

Zusammenfassend kann die Bildungsreise als eine sehr gewinnbringende Erfahrung bewertet werden, da sie den eigenen Blickwinkel für die Arbeit erweiterte und viele neue Ideen für unsere eigene Bildungspraxis brachte. Zudem haben wir mit den Einrichtungen interessante Partner kennengelernt, mit denen wir in unserer zukünftigen Arbeit zum Thema barrierefreie Erwachsenenbildung im Austausch bleiben möchten.

Ein großes Dankeschön geht an die österreichischen Einrichtungen, die uns einen herzlichen Empfang und einen Einblick in die Praxis ermöglichten.

 

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