„Wie tickt der Teufel?“ – Musical mit internationalem Flair zum Abschluss von „Kultur macht stark“

Neudietendorf, 17. Juli 2017. „Ein bisschen weiter nach vorne. Mit den Füßen auf die Grundlinie achten.“ Alex Bernhardt gibt DSC 0014den 21 Mädchen und Jungen letzte Anweisungen vor der großen Premiere. Der Tänzer von der Bewegungsküche Jena hat mit ihnen in den vergangenen Tagen verschiedene Choreografien, u.a. den arabischen Tanz „Dabke“ eingeübt.Am Freitagnachmittag war es dann soweit: Die Jugendlichen konnten vor zahlreichen Gästen in der Krügervilla zeigen, wie sie in den vergangenen zwei Wochen das Thema Toleranz sowohl tänzerisch wie auch schauspielerisch umgesetzt hatten.

„Wie tickt der Teufel?“ hieß das Musical, das sie an diesem Nachmittag als Ergebnis ihres Ferienworkshops aufführten. „Jeder hat einen Teufel in sich“, erklärt Christin Bliedung vom PARITÄTISCHEN Bildungswerk PBW zur Wahl des Titels. Und dieser kleine oder auch große Teufel bringt die Menschen in Bedrängnis, will sie zu Ausgrenzung von anderen verleiten. Viele dieser Situationen haben die Jugendlichen in den vergangenen zwei Wochen diskutiert – und sie finden sich auch in dem Musical wieder. Beispielsweise wenn es um die Ausgrenzung einer Kopftuchträgerin geht oder um das Mobbing eines Mädchens, das sich eher als Junge fühlt und mit „Pascal“ angesprochen werden will. Die Jugendlichen haben gelernt, mit solchen Situationen umzugehen, sie richtig einzuschätzen. Denn am Ende dieses zweiwöchigen Workshops stand für alle die Erkenntnis: „Jeder ist das anders, das ist das Normalste auf der Welt.“

Zehn Tage lang waren die jungen Menschen eingetaucht in eine bunte Welt der Kulturen, entwickeln ihre eigene Geschichte zum Thema Toleranz durch Bewegung, Sprache und Rhythmus. Professionelle Unterstützung erhielten die Jugendlichen durch den Schauspieler und Theatertrainer Christof Düro und den Hip-Hop-Tänzer Alex Bernhardt vom Verein Bewegungsküche aus Jena.

Beide Trainer sind schon seit vielen Jahren bei dem Projekt „Kultur macht stark“ dabei. Das Projekt ist Teil des Bundesprogramms „Kultur macht stark – Bündnisse für Bildung“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung.

Auch drei junge Syrer unterstützten das Projekt ehrenamtlich. Beeindruckend für die jungen Menschen aus weiten Teilen Thüringens, die zu dem Projekt nach Neudietendorf gekommen waren, waren die Erzählungen der jungen Männer über ihr Heimatland. Sie zeigten Bilder, wie ihr Land vor dem schrecklichen Bürgerkrieg ausgesehen hat, sie wiesen darauf hin, dass viele der gezeigten Gebäude im Krieg mittlerweile zerstört worden sind.

Afrikanische Trommelklänge und ein arabischer Tanz unterstreichen am Nachmittag der Aufführung das internationale Flair, das über diesem Workshop schwebt. „Mir haben schon einige der Teilnehmenden gesagt, dass sie es schade finden, dass der Workshop jetzt zu Ende geht“, sagt Christin Bliedung. Ein besseres Lob für die Veranstalter kann es kaum geben.

Text: Hartmut Kaczmarek

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